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Wegekreuze bei Waldrach

Wer über die Fluren von Waldrach nach Thomm vorbei am Hinkelstein geht, kommt auch über "Zalzich", einem alten Gemarkungsteil, auf dem seit Menschengedenken zwei Kreuze unmittelbar nebeneinander stehen.

Der Sage nach geschah hier in alter Zeit ein furchtbares Unglück. Vor Jahrhunderten, als den weinbaubetreibenden Menschen der Region nur der kostbare Naturdünger zur Verfügung stand, blieb für das notwendige Wachstum der Wiesen nur Wasser. Dieses war schon damals kostbar. Die Bauern leiteten es von April bis Juni durch kleine Gräbenauf ihre Wiesen. Und, wo kein Rinnsal Wasser führte, wurde mit einem Wiesenmesser eine bis 20 Zentimeter breite "Wässert" angelegt. Der Rasen wurde mit dem Messer geschnitten und mit der Haue herausgehoben. So entstand ein Bewässerungssystem, das oft viele hundert Meter lang war. Unter Ausnutzung des natürlichen Gefälles wurden auf diese Weise trockene Hanglagen, auf denen sonst nur gerinste Mengen an Heu gewachsen wären, bewässert und damit ertragreicher.Das so herbeigeführte Wasser war sehr begehrt. Argwöhnisch wurde darüber gewacht, dass der Wasserlauf nicht angezapft und auf die Nachbarwiese geleitet wurde.

Ein Waldracher Bauer hatte zur Abenddämmerung seine "Wässert" instand gesetzt. Das Wasser tränkte seine Wiese. Da sah er von weitem seinen Nachbarn mit einem Wiesenmesser über der Schulter daherkommen. Diesen wollte er daran hindern, das Wasser aus seiner "Wässert" abzuleiten. Aber wie? Er versteckte sich hinter den nahen Hecken, zog sein weißes Leinenhemd aus der Hose über den Kopf, sprang dem Bauern entgegen und rief: "Ich bin ein Geist!" Die Hoffnung, dass der Erschreckte davonlaufen würde, erfüllte sich jedoch nicht. Im Gegenteil: Der so angegangene Bauer war mutig. Er richtete sein Wiesenmesser mit den Worten auf: "Wenn du ein Geist bist, dann geh auch dahin, wo du hingehörst - in die Hölle!" und spaltete ihm den Schädel. Der vermeindliche Geist fiel auf der Stelle um und der Erschrockene erkannte das Furchtbare, was er getan, suchte noch in der Nacht das Weite und kehrte nie mehr in seine Waldracher Heimat zurück. Seitdem spukt der Geist des Getöteten zur nächtlichen Stunde "Auf Zalzich" bei den Kreuzen um die dortigen Hecken.

Die auf einem der Kreuze zu lesende Jahreszahl 1663 lässt aber auch einen anderen Zusammenhang als möglich erscheinen. Nach einer Urkunde über die Sitzung des Sendschöffengerichtes von Waldrach vom 22. Juni 1630 fehlte der Sendschöffenälteste, weil er der "Zauberei Lasters halber gefänglich eingezogen" sei. Was aus ihm geworden ist, ist unbekannt. Die Erfahrung spricht dafür, dass er wohl als angeblicher "Hexer" verbrannt wurde. 1663 wurde als Sühne für unschuldig verbrannte Menschen in Kasel das weithin bekannte "Hexenkreuz" errichtet. Für das gleiche Jahr ist in Waldrach "Auf Zalzich" ein Holzkreuz urkundlich belegt.


Öffnungszeiten: frei zugänglich

Wegekreuze bei WaldrachKarte des Ruwertals

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